Spritzguss

Spritzguss-Anfrage richtig stellen, was deutsche Lohnfertiger erwarten

Spritzguss Anfrage richtig stellen: Pflichtangaben zu Werkstoff, Stückzahl, Toleranzen und Werkzeug, Kalkulation deutscher Lohnfertiger und Lieferzeiten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Eine vollständige Spritzguss Anfrage enthält Werkstoff, Stückzahl, Toleranzen, Werkzeugkonzept und Termin.
  • Fehlende Angaben führen zu Preisaufschlägen oder Rückfragen und kosten zwei bis sechs Wochen.
  • Deutsche Lohnfertiger kalkulieren über Maschinenstundensatz, Zykluszeit, Ausschussquote und Werkzeugkosten.
  • Die Musterphase braucht vier bis zehn Wochen, der Serienanlauf weitere zwei bis sechs Wochen.
  • Der GKV liefert Branchendaten zu Umsatz, Beschäftigung und Verarbeitungsmenge als Vergleichsmaßstab.
  • Eine Checkliste vor dem Versand verhindert die acht häufigsten Fehler.

Was deutsche Lohnfertiger in einer Spritzguss Anfrage zuerst prüfen

Ein Spritzgießer öffnet eine Anfrage und sucht in den ersten dreißig Sekunden vier Dinge: Werkstoff, Jahresstückzahl, Toleranzen und die Frage, wer das Werkzeug stellt. Fehlt eines davon, wandert die Anfrage in die Rückfrageschleife. Das kostet den Anfragenden Zeit, nicht den Fertiger.

Die Kunststoffverarbeitung in Deutschland ist mittelständisch geprägt. Betriebe mit 20 bis 200 Mitarbeitern sitzen in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Weitere Standorte liegen in Niedersachsen, Hessen und Sachsen. Auch in Rheinland-Pfalz und Thüringen fertigen Zulieferer für technische Teile.

Viele Betriebe arbeiten mit festen Kundenstämmen und vergeben freie Kapazität nur an vollständige Anfragen. Strukturdaten zur Kunststoffverarbeitung liefert das Statistische Bundesamt.

Wer zum ersten Mal ein Angebot einholt, unterschätzt meist den Aufwand der Kalkulation. Ein Fertiger rechnet nicht den Teilepreis, sondern den Werkzeugpreis, den Materialpreis, die Maschinenzeit und die Ausschussquote. Jede dieser Größen hängt an einer Angabe, die in der Anfrage stehen muss.

Ein weiterer Prüfpunkt ist die Werkstoffgruppe. Ob PP, PA6-GF30, ABS oder PC: Der Werkstoff bestimmt Werkzeugstahl, Schwindung, Kühlzeit und Trocknung. Ein Fertiger, der PP kalkuliert und PA6-GF30 fertigen soll, liegt beim Preis deutlich daneben.

Pflichtangaben: Werkstoff, Stückzahl, Toleranzen und Werkzeugkonzept

Diese vier Blöcke sind nicht verhandelbar. Wer sie liefert, bekommt ein belastbares Angebot. Wer sie weglässt, bekommt eine Bandbreite, die im Einkauf nicht verwendbar ist.

Werkstoff

Nennen Sie den Werkstoff mit Kurzzeichen und, falls relevant, mit Verstärkungsgrad, Flammschutz oder Farbe. Beispiel: PP-TV20, natur, oder PA66-GF30, schwarz, UV-stabilisiert. Wenn Sie den Werkstoff offen lassen, kalkuliert der Fertiger mit einem Standardtyp und weist das im Angebot aus. Das ist keine Preiszusage.

Stückzahl

Stückzahlen gehören in drei Kategorien: Muster, Vorserie, Serie. Die Serienzahl wird als Jahresbedarf und als Abrufmenge pro Bestellung angegeben. Ein Fertiger mit einer 250-Tonnen-Maschine kalkuliert anders als einer mit 650 Tonnen. Die Stückzahl entscheidet über die Werkzeugauslegung mit.

Toleranzen

Toleranzen Spritzguss sind der häufigste Streitpunkt. Allgemeintoleranzen nach DIN 16742 oder DIN ISO 20457 reichen für viele Teile. Für Funktionsmaße brauchen Sie Einzeltoleranzen mit Bezug auf die Zeichnung. Ein Fertiger prüft, ob die Toleranz mit dem Werkstoff und der Wanddicke überhaupt haltbar ist. Ist sie es nicht, kommt der Hinweis vor dem Angebot, nicht nach der Lieferung.

Werkzeugkonzept

Die Anfrage muss klären, ob ein Werkzeug vorhanden ist, ob es beim Fertiger gebaut wird oder ob es beigestellt wird. Bei vorhandenem Werkzeug gehören Werkzeugdaten, Zustand und letzte Wartung in die Anfrage. Bei Neubau gehören Kavitätenzahl, Angusssystem, Entformung und Werkzeugstahl in die Abstimmung.

Werkzeugbau und Werkzeugkosten: Eigenwerkzeug oder Werkzeug beim Fertiger

Werkzeugkosten Spritzguss sind der größte Einzelposten und der Punkt, an dem Anfragen am häufigsten scheitern. Ein Werkzeug für ein technisches Teil mit 30 bis 50 Gramm Schussgewicht kostet je nach Kavitätenzahl, Stahl und Entformungskonzept einen fünfstelligen bis niedrigen sechsstelligen Betrag. Eine belastbare Zahl nennt nur der Fertiger nach Zeichnungsprüfung.

Es gibt zwei Modelle. Beim Eigenwerkzeug beauftragt der Kunde den Werkzeugbau direkt und stellt das Werkzeug später einem Fertiger bei. Beim Werkzeug beim Fertiger liegt Bau, Wartung und Instandsetzung in einer Hand. Das zweite Modell ist für Serien mit hoher Stückzahl meist günstiger, weil der Fertiger Werkzeugstandzeiten und Instandhaltung in die Kalkulation einbezieht.

Wer das Werkzeug selbst stellt, muss die Werkzeugakte mitliefern: Zeichnungen, Stahlzeugnisse, Wartungsprotokolle, Kavitätenzahl, Kühlkreisläufe. Fehlt die Akte, kalkuliert der Fertiger mit einem Risikozuschlag für Werkzeugarbeiten. Das ist kein Misstrauen, sondern Erfahrung.

Ein weiterer Kostenblock sind Nacharbeiten. Änderungen an der Kontur, zusätzliche Entlüftungen oder ein anderes Angusssystem kosten Geld und Zeit. Wer diese Möglichkeit in der Anfrage offen anspricht, bekommt ein Angebot mit klaren Änderungssätzen statt mit Pauschalen.

Wie Spritzgießer kalkulieren: Maschinenstundensatz, Zykluszeit, Ausschussquote

Die Spritzguss Kalkulation folgt einem festen Muster. Der Fertiger ermittelt zuerst die Maschine, dann die Zykluszeit, dann den Materialeinsatz, dann die Ausschussquote und schließlich die Gemeinkosten.

  1. Maschinenauswahl nach Schließkraft und Schussgewicht.
  2. Zykluszeit aus Kühlzeit, Plastifizierzeit und Entformung.
  3. Materialeinsatz aus Schussgewicht, Angussteil und Materialpreis.
  4. Ausschussquote aus Anfahrverlust, Prozessstreuung und Qualitätsanforderung.
  5. Stundensatz aus Abschreibung, Energie, Personal, Raum und Wartung.
  6. Werkzeugkosten anteilig über die geplante Stückzahl.
  7. Rüstkosten und Verpackung als eigene Position.

Der Maschinenstundensatz liegt bei kleineren Maschinen niedriger als bei großen. Ein Betrieb mit 50 bis 250 Tonnen Schließkraft arbeitet mit anderen Sätzen als einer mit 500 bis 1000 Tonnen. Die Zykluszeit hängt an der Wanddicke: dünne Wände kühlen schneller, brauchen aber höheren Druck.

Die Ausschussquote ist der Posten, der am häufigsten unterschätzt wird. Technische Teile mit engen Toleranzen haben höhere Anfahrverluste als Verpackungsteile. Wer in der Anfrage eine Null-Fehler-Quote verlangt, bekommt sie kalkuliert, nicht geschenkt.

Bei Lohnfertigern kommen arbeitsrechtliche Faktoren hinzu. Schichtmodelle, Nachtzuschläge und die Vorgaben zum Jugend- und Arbeitsrecht wirken direkt auf den Stundensatz. Die einschlägigen Gesetze und Verordnungen stehen in der Gesetzesübersicht im Internet.

Lieferzeiten realistisch ansetzen: Musterphase, Serienanlauf, Kapazitäten

Lieferzeiten entstehen aus drei Blöcken: Werkzeugbau, Musterphase und Serienanlauf. Wer nur den Serienstart terminiert, plant zu kurz.

Der Werkzeugbau braucht je nach Komplexität sechs bis sechzehn Wochen. Danach folgt die Musterphase mit Erstmusterprüfbericht. Rechnen Sie vier bis zehn Wochen, abhängig von der Zahl der Musterteile und der Prüftiefe. Der Serienanlauf mit Prozessfreigabe, Rüstoptimierung und Erstserienprüfung dauert weitere zwei bis sechs Wochen.

Kapazität ist der zweite Faktor. Ein Fertiger mit ausgelasteten Maschinen nennt einen späteren Termin oder einen höheren Preis für Sonderschichten. Beides ist legitim, wenn es im Angebot steht. Fragen Sie deshalb immer nach dem frühesten und dem wirtschaftlichsten Termin.

Materialbeschaffung kann die Kette verlängern. Technische Kunststoffe, Compounds mit Flammschutz oder Sondertypen haben Lieferzeiten, die von der Außenhandelslage abhängen. Die Daten zum deutschen Außenhandel zeigen, wie stark Materialkosten und Lieferketten schwanken.

Planen Sie Puffer für Änderungen ein. Ein Muster, das eine Konturänderung auslöst, verschiebt den Serienstart um Wochen. Wer den Puffer in der Anfrage benennt, bekommt einen Termin, der hält.

GKV-Branchendaten als Maßstab für Preise und Auslastung

Der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV) bündelt die Branchendaten der deutschen Kunststoffverarbeiter. Diese Zahlen sind der beste Vergleichsmaßstab für Einkäufer, weil sie Umsatz, Beschäftigung und Verarbeitungsmenge der Branche abbilden.

Wer die GKV-Daten kennt, erkennt, ob ein Angebot im Rahmen liegt. Steigt die Auslastung der Branche, steigen die Stundensätze. Sinkt sie, ist Verhandlungsspielraum vorhanden. Das ersetzt keine Teilekalkulation, aber es ordnet das Angebot ein.

Für die Einordnung der Kunststoffverarbeitung insgesamt liefert das Statistische Bundesamt Strukturdaten des Verarbeitenden Gewerbes. Diese Daten zeigen, wie viele Betriebe in welcher Größenklasse fertigen und wie sich Produktion und Beschäftigung entwickeln.

Ein dritter Maßstab sind die Vorschriften. Fertiger kalkulieren Sicherheitsmaßnahmen, Schutzeinrichtungen und Unterweisungen ein. Die Vorschriften und Regeln der DGUV zur Prävention sind dabei der Standard, an dem sich Kunststoffbetriebe orientieren.

Zusammen ergeben GKV-Daten, amtliche Strukturdaten und Vorschriften ein Bild der Branche, das Angebote vergleichbar macht. Wer diese Quellen kennt, verhandelt sachlich statt nach Gefühl.

Anfrage-Checkliste für Einkauf und Konstruktion

Diese Checkliste deckt die Pflichtangaben ab. Sie ist als Arbeitsmittel gedacht und lässt sich in eine Anfragevorlage übernehmen.

  • Werkstoff mit Kurzzeichen, Verstärkung, Farbe und Zusatzanforderungen
  • Jahresstückzahl, Abrufmenge und Losgröße
  • Musterbedarf und Termin für Erstmuster
  • Toleranzen nach DIN 16742 oder Einzeltoleranzen in der Zeichnung
  • 3D-Daten und 2D-Zeichnung im freigegebenen Format
  • Angabe, ob Werkzeug vorhanden, beizustellen oder zu bauen ist
  • Kavitätenzahl und Angusssystem, falls vorgegeben
  • Oberflächenanforderung und Sichtseiten
  • Verpackung, Kennzeichnung und Anlieferungsort
  • Gewünschter Serienstart und frühester Termin
  • Qualitätsanforderungen, Prüfumfang und Dokumentation
  • Angabe, ob Sonderkosten für Änderungen getrennt auszuweisen sind

Typische Fehler in der Anfrage und ihre Kostenfolgen

Der häufigste Fehler ist die fehlende Stückzahl. Ohne sie kalkuliert der Fertiger mit einer Annahme, und das Angebot ist nicht vergleichbar. Die Folge sind Nachverhandlungen und ein verschobener Termin.

Der zweite Fehler ist die unvollständige Zeichnung. Fehlende Toleranzen, unklare Bezugsmaße oder widersprüchliche Angaben führen zu Rückfragen. Jede Rückfrage kostet Tage, jede Zeichnungsänderung Wochen.

Der dritte Fehler ist die offene Werkzeugfrage. Wer nicht sagt, wer das Werkzeug stellt, bekommt zwei Angebote, die sich nicht vergleichen lassen. Das eine enthält den Werkzeugbau, das andere nicht.

Der vierte Fehler ist der unrealistische Termin. Ein Serienstart in sechs Wochen ist bei Neubau eines Werkzeugs nicht zu halten. Der Fertiger nennt dann einen Aufpreis für Sonderschichten, und der Einkauf hält das für teuer.

Der fünfte Fehler ist die Null-Fehler-Forderung ohne Prüfkonzept. Sie wird kalkuliert, ist aber ohne Messmittel und Prüfplan nicht überprüfbar. Besser ist eine definierte Prüfmerkmalsliste.

Der sechste Fehler ist der fehlende Hinweis auf Nachhaltigkeits- oder Recyclinganforderungen. Rezyklateinsatz, Materialnachweise und Entsorgungskonzepte wirken auf Preis und Prozess.

Der siebte Fehler ist die Anfrage an zu wenige Fertiger. Drei bis fünf Betriebe mit passender Maschinengröße sind ein guter Korridor.

Der achte Fehler ist die fehlende Angabe zum Anlieferungsort. Verpackung und Logistik sind eigene Kostenblöcke.

Häufige Fragen

Welche Angaben muss eine Spritzguss Anfrage mindestens enthalten? Werkstoff, Stückzahl, Toleranzen und die Klärung, wer das Werkzeug stellt. Dazu Zeichnung, 3D-Daten und Termin. Fehlt eines dieser Elemente, ist das Angebot nicht vergleichbar.

Wie lange dauert es von der Anfrage bis zur ersten Serie? Bei Neubau eines Werkzeugs sind sechs bis sechzehn Wochen Werkzeugbau, vier bis zehn Wochen Musterphase und zwei bis sechs Wochen Serienanlauf realistisch. Bei vorhandenem Werkzeug verkürzt sich die Kette deutlich.

Wer trägt die Werkzeugkosten? Das regelt der Vertrag. Beim Eigenwerkzeug zahlt der Kunde den Werkzeugbau direkt. Beim Werkzeug beim Fertiger ist der Bau in der Kalkulation enthalten und wird über die Stückzahl amortisiert.

Warum weichen Angebote verschiedener Fertiger stark voneinander ab? Weil Maschinengröße, Kavitätenzahl, Ausschussquote und Werkzeugkonzept unterschiedlich angesetzt werden. Vergleichen Sie deshalb die Annahmen, nicht nur den Teilepreis.

Welche Rolle spielen GKV-Branchendaten für den Einkauf? Sie zeigen Umsatz, Beschäftigung und Auslastung der Branche. Damit lässt sich ein Angebot einordnen, ohne die Teilekalkulation des Fertigers zu kennen.

Welche Vorschriften beeinflussen den Preis? Arbeitsschutz und Sicherheit an Maschinen nach DGUV, dazu arbeitsrechtliche Vorgaben zu Schichtmodellen. Beides steckt im Maschinenstundensatz und ist legitim.

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