Kunststoffarten

Teil von Wiederverwertung von Kunststoffen: Rechtliche Grundlagen und Quoten

Wiederverwertung von Kunststoffen: Kosten für Sammlung und Aufbereitung

Kosten der Kunststoffverwertung: Sammlung, Sortierung und Aufbereitung je Tonne in Euro, mit Beispielrechnung, Kostenträgern und Zahlen aus der Abfallstatistik.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Sammlung und Sortierung von Kunststoffabfällen kosten in der Praxis meist 80 bis 200 Euro je Tonne.
  • Die Aufbereitung zu Mahlgut oder Regranulat schlägt mit weiteren 120 bis 250 Euro je Tonne zu Buche.
  • Die Beispielrechnung unten kommt auf 320 Euro je Tonne gemischter Abfälle vor Erlösen.
  • Bei Verpackungen tragen die dualen Systeme und ihre Kunden die Kosten, bei Gewerbeabfällen die Betriebe.
  • Erlöse für Regranulat hängen am Preis für Neuware, die Nettokosten schwanken daher von Jahr zu Jahr.

Drei Kostenblöcke, drei Preislogiken

Wer die Wiederverwertung von Kunststoffen kalkuliert, sollte die Stufen getrennt rechnen. Sammlung, Sortierung und Aufbereitung haben eigene Mengenbezüge, eigene Verträge und eigene Preisrisiken.

Die Sammlung umfasst Behälter, Touren, Umladung und Transport zur Anlage. Je größer die Menge je Tour, desto niedriger der Preis je Tonne. In dünn besiedelten Landkreisen liegt der Wert deutlich höher als im Ballungsraum, weil längere Wege und kleinere Behälter anfallen.

Die Sortierung läuft über Anlagen mit Nahinfrarottechnik, Sieben und Gebläsen. Abgerechnet wird der Durchsatz, also jede Tonne, die über das Band läuft, unabhängig davon, wie viel Sortierrest am Ende übrig bleibt. Störstoffe, Verbunde und Feuchte verteuern den Vorgang spürbar.

Die Aufbereitung beginnt erst danach: Mahlen, Waschen, Trennung nach Kunststoffart, Trocknen und Extrudieren zu Mahlgut oder Regranulat. Diese Stufe ist die teuerste, weil sie Energie, Wasser und eine gleichmäßige Inputqualität verlangt.

Beispielrechnung für eine Tonne gemischter Kunststoffabfälle

Die folgende Rechnung ist ein Rechenbeispiel mit gesetzten Annahmen, keine Ausschreibung und kein Marktpreis. Spalte eins nennt die Annahme, Spalte zwei den angesetzten Wert.

Kostenblock Ansatz je Tonne Beispielwert
Sammlung und Transport 40 bis 90 Euro 60 Euro
Sortierung 40 bis 110 Euro 60 Euro
Zwischensumme Sammlung und Sortierung 80 bis 200 Euro 120 Euro
Aufbereitung zu Regranulat 120 bis 250 Euro 200 Euro
Summe vor Erlösen 200 bis 450 Euro 320 Euro

Bei einem Erlös von 150 Euro je Tonne Regranulat bleiben 170 Euro je Tonne netto übrig. Fällt der Neuwarepreis, sinkt dieser Erlös und die Nettokosten steigen.

Wer die Rechnung am Ende zahlt

Bei Verpackungen aus Kunststoff zahlen die Hersteller und Inverkehrbringer über die dualen Systeme. Die Systeme verhandeln Beteiligungsentgelte je Materialart und Menge mit ihren Kunden; diese Entgelte finanzieren Sammlung und Sortierung der Gelben Tonne. Wer sich beteiligungspflichtig macht, registriert sich bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister in LUCID.

Kommunen zahlen dort, wo sie selbst sammeln, über die Abfallgebührensatzung. Gewerbebetriebe schließen Direktverträge mit Entsorgern, häufig mit Erlösbeteiligung für sortenreine Ware. Eine Tonne gemischter Abfälle bleibt damit für alle Beteiligten ein Zuschussgeschäft, eine Tonne sortenreines Polypropylen nicht.

Zahlen zum Aufkommen und zu den Verwertungswegen

Das Statistische Bundesamt stellt in seiner Abfallstatistik zusammen, welche Mengen anfallen und welchen Verwertungswegen sie zugeordnet werden (Abfallwirtschaft). Das Umweltbundesamt bewertet die Verwertung von Kunststoffverpackungen und die erreichten Recyclingquoten (Verpackungsabfälle). Für die Gesamtmenge aller Abfälle liefert die Behörde zusätzliche Einordnung (Abfallaufkommen). Wer Kosten plant, sollte diese Mengenangaben mit den eigenen Behälterzahlen abgleichen.

Fünf Stellschrauben für niedrigere Kosten je Tonne

  1. Sortenrein erfassen: getrennte Behälter für Folie, Hohlkörper und Hartkunststoff senken den Sortieraufwand.
  2. Störstoffe vermeiden: Metall, Papier und Verbunde gehören nicht in die Kunststofffraktion.
  3. Mengen bündeln: gemeinsame Ausschreibungen mehrerer Standorte verbessern den Preis je Tonne.
  4. Qualität dokumentieren: Analysen zu Feuchte und Sortenreinheit stützen Verhandlungen mit Aufbereitern.
  5. Abnahme sichern: Verträge mit festen Regranulatmengen glätten Erlösschwankungen.

Häufige Fragen

Was kostet die Sammlung einer Tonne Kunststoffabfall?

Die Sammlung allein liegt je nach Gebiet und Tour bei etwa 40 bis 90 Euro je Tonne. Hinzu kommen Sortierung und Aufbereitung.

Wer bezahlt die Wiederverwertung von Kunststoffen?

Bei Verpackungen die Hersteller und Inverkehrbringer über die Beteiligungsentgelte der dualen Systeme, bei Gewerbeabfällen der Betrieb, der den Abfall erzeugt.

Warum schwanken die Preise je Tonne so stark?

Mengen, Entfernung, Sortenreinheit und der Preis für Neuware bestimmen den Wert. Ein hoher Neuwarepreis hebt den Erlös für Regranulat und senkt die Nettokosten.

Lohnt sich die Aufbereitung zu Regranulat?

Bei sortenreinem PE oder PP mit geringem Störstoffanteil häufig ja. Bei Mischfraktionen mit hohem Verbundanteil bleibt die Aufbereitung meist teurer als die Verbrennung.

Gelten diese Werte auch für Gewerbeabfälle?

Grundsätzlich ja, allerdings verhandeln Betriebe ihre Preise direkt. Große, gleichmäßige Mengen erzielen bessere Konditionen als kleine, wechselnde Anfallstellen.

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