Kunststoffarten
Teil von Kunststoffarten vergleichen als Leitfaden für technische Thermoplaste
Kunststoffarten vergleichen nach Kosten pro Kilogramm und MwSt.
Kunststoffarten vergleichen: Beispielpreise 2024 für PP, PE, PVC, ABS und PA je Kilogramm inklusive MwSt. sowie die Preistreiber Rohöl, Energie und Additive.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Standardkunststoffe kosten 2024 inklusive 19 Prozent MwSt. grob zwischen 1,05 Euro und 4,20 Euro pro Kilogramm.
- PP und PE sind die günstigsten Massenkunststoffe, PA der teuerste Vertreter im Vergleich.
- Rohöl, Energie und Additive erklären den größten Teil der Preisspanne.
- Die MwSt. ist für vorsteuerabzugsberechtigte Einkäufer ein durchlaufender Posten, für die Kostenrechnung zählt der Nettopreis.
- Notierungen laufen in Dollar je Tonne, der Wechselkurs schlägt direkt auf den Europreis durch.
Beispielpreise für fünf Kunststoffarten 2024
Kunststoffarten vergleichen heißt zuerst: gleiche Einheit, gleicher Zeitraum, gleicher Steuersatz. Die Werte unten sind Beispielrechnungen für Standardtypen als Neuware, ab Werk, ohne Verpackung und Fracht.
| Kunststoff | Typischer Nettopreis je kg | Beispiel mit 19 % MwSt. |
|---|---|---|
| PP, Homopolymer | 1,10 bis 1,40 Euro | 1,31 bis 1,67 Euro |
| PE, HD | 1,10 bis 1,40 Euro | 1,31 bis 1,67 Euro |
| PVC, S-PVC | 0,90 bis 1,10 Euro | 1,07 bis 1,31 Euro |
| ABS | 1,60 bis 2,00 Euro | 1,90 bis 2,38 Euro |
| PA 6, Granulat | 2,00 bis 2,60 Euro | 2,38 bis 3,09 Euro |
PA 66 liegt darüber: 2,80 bis 3,50 Euro netto, mit MwSt. 3,33 bis 4,17 Euro. Der Unterschied zu PP beträgt damit rund das Dreifache.
Alle Preise beziehen sich auf 2024 und auf Lieferungen ab Werk. Jahresverträge weichen je nach Menge, Zahlungsziel und Lieferort regelmäßig um 10 bis 20 Prozent ab.
Mengenrabatte staffeln sich meist nach Tonnage je Bestellung oder je Jahr. Wer mehrere Sorten bündelt, verbessert seine Verhandlungsposition.
Die Umsatzsteuer von 19 Prozent wird auf den Nettopreis aufgeschlagen. Für vorsteuerabzugsberechtigte Verarbeiter ist sie ein durchlaufender Posten, für Endkunden und nicht abzugsberechtigte Betriebe erhöht sie die Anschaffungskosten deutlich.
Was den Preis pro Kilogramm treibt
Rohöl ist der wichtigste Preistreiber. Naphtha aus der Raffinerie speist die Cracker, aus denen Ethylen und Propylen für PP und PE entstehen. Notierungen folgen dem Rohölpreis mit einigen Wochen Verzögerung.
Energie ist der zweite große Block. Polymerisation, Extrusion und Trocknung brauchen Strom und Gas. Zur Belastung der Betriebe dokumentiert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag Daten und Positionen im Themenfeld Energie beim DIHK.
Additive können teurer sein als das Grundpolymer. Flammschutzmittel, UV-Stabilisatoren, Glasfasern und Farbmasterbatch erhöhen den Kilopreis, bei PA 6 GF 30 deutlich. Auch Füllstoffe und Schlagzähmodifikatoren verändern die Rezeptur.
PVC fällt über den Chlor-Alkali-Weg an und ist deshalb meist günstiger als PP. ABS besteht aus drei Monomeren und reagiert stärker auf Nachfrageschwankungen. PA hängt an Benzol und Cyclohexan.
Stillstände und Kapazitätsausfälle verschieben die Preise kurzfristig. Ein Cracker-Stillstand in Europa hebt PP- und PE-Notierungen oft innerhalb weniger Wochen.
Ein weiterer Faktor sind Zölle und Frachtraten, die Importware aus Asien und Nahost verteuern oder verbilligen. Wer europäische Ware kauft, zahlt oft eine Prämie, hat aber kürzere Lieferzeiten und geringere Transportrisiken.
Notierungen prüfen und Angebote vergleichen
Für Verhandlungen lohnt der Blick in veröffentlichte Notierungen. Marktdienste wie EUWID, ICIS und S&P Global Platts berichten monatlich über Preise für PP, PE, PVC, ABS und PA in Europa. Laufzeitverträge mit monatlicher Anpassung sind üblich.
Rezyklatpreise wirken auf die Nachfrage nach Neuware. Wie viel Kunststoff in den Kreislauf zurückgeht, weist die Abfallwirtschaftsstatistik des Statistischen Bundesamtes aus. Die Kunststoffpolitik der Europäischen Kommission steuert zusätzlich die Nachfrage nach recyclathaltigen Sorten.
Die meisten Notierungen laufen in US-Dollar. Ein schwacher Euro hebt den Preis in Euro, auch wenn der Dollarpreis unverändert bleibt.
Preise in die Kalkulation übernehmen
Für Angebote und Nachkalkulation hat sich eine feste Reihenfolge bewährt:
- Kunststoffart und Typ festlegen, etwa PP-Homopolymer oder PA 6 mit 30 Prozent Glasfaser.
- Notierung je Tonne erfassen und durch 1.000 teilen, so entsteht der Preis je Kilogramm.
- Additive, Füllstoffe und Masterbatch für die eigene Rezeptur aufschlagen.
- Logistik, Verpackung und Mindermengenzuschläge ergänzen.
- MwSt. nur addieren, wenn keine Vorsteuerabzugsberechtigung besteht.
Für die Vollkostenrechnung zählen zusätzlich Ausschussquote, Trocknung und Maschinenstundensatz. Der Materialpreis ist nur ein Teil des Teilepreises.
Häufige Fragen
Warum ist PVC günstiger als PP?
PVC entsteht über den Chlor-Alkali-Weg, bei dem Chlor und Ethylen gekoppelt anfallen. Die Rohstoffkette ist weniger stark an die Naphtha-Notierung gebunden als bei PP.
Muss ich mit oder ohne MwSt. kalkulieren?
Bei Vorsteuerabzugsberechtigung rechnen Sie netto, die MwSt. ist kein Kostenfaktor. Für Angebote an Endkunden oder nicht abzugsberechtigte Abnehmer gehört sie in den Preis.
Warum kostet PA mehr als PP?
PA wird aus Benzol und Cyclohexan hergestellt, die Kette ist länger und energieintensiver. Hinzu kommen Trocknung und Verpackung, weil Granulat Feuchtigkeit aufnimmt.
Wie schnell wirkt ein höherer Rohölpreis?
Kein Anstieg wird sofort und eins zu eins weitergegeben. Cracker, Händler und Verarbeiter reichen ihn in Stufen weiter, abhängig von Auslastung und Nachfrage.