NIR-Sorter sortiert Kunststoffabfälle auf einem Förderband in einer Recyclinganlage.
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Teil von Wiederverwertung von Kunststoffen: Rechtliche Grundlagen und Quoten

Wiederverwertung von Kunststoffen mit 5 Schritten zum Recycling

Wiederverwertung von Kunststoffen: fünf Schritte von Sammlung und NIR-Sortierung über Zerkleinerung und Waschen bis zur Granulierung, mit Beispielrechnung.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Fünf Schritte führen vom gesammelten Kunststoffabfall zum Regranulat: Sammlung, Sortierung, Zerkleinerung, Waschen, Granulierung.
  • Die Nahinfrarotsortierung erkennt Kunststoffsorten am reflektierten Spektrum und trennt sie berührungslos.
  • Zum Einsatz kommen Schredder, Waschanlagen, Schwimm-Sink-Trennung und gleichläufige Doppelschneckenextruder.
  • EU-Regeln verlangen Recyclinganteile in Verpackungen und Getränkeflaschen, Nachweise sind prüfpflichtig.

Was vor dem ersten Schritt geklärt sein muss

Bevor Material bewegt wird, gilt die Abfallhierarchie: Vermeidung vor Vorbereitung zur Wiederverwendung vor Recycling. Diese Reihenfolge gibt das Kreislaufwirtschaftsgesetz vor, die Gewerbeabfallverordnung verlangt die getrennte Sammlung von Kunststoffabfällen.

Betriebsleiter klären zuerst, welche Fraktionen anfallen: sortenreine Produktionsabfälle, Mischkunststoffe aus Verpackungen oder verschmutzte Bauteile. Danach entscheidet der Betrieb, ob ein duales System das Material erfasst oder eine eigene Aufbereitung anschließt.

Ob eine Aufbereitungsanlage genehmigungspflichtig ist, regelt die 4. BImSchV. Wer Kunststoffabfälle annimmt, braucht außerdem Mengenwaagen, getrennte Lagerflächen und einen Nachweis über den Verbleib der Abfälle.

Auf EU-Ebene verlangt die Einwegkunststoffrichtlinie Recyclinganteile in Getränkeflaschen; die Vorgaben der EU-Kommission zu Kunststoffen bündeln die weiteren Maßnahmen. Prüfen Sie früh, welcher Anteil für Ihre Produkte gilt.

Die fünf Schritte im Überblick

Die Schrittfolge folgt dem Materialfluss, jede Stufe hat eine eigene Aufgabe und eigene Aggregate.

Fünf Schritte zum Regranulat

  1. Sammlung: Fraktionen trennen
  2. Sortierung: Störstoffe entfernen
  3. Zerkleinerung: Mahlgut erzeugen
  4. Waschen: Anhaftungen lösen
  5. Granulierung: gleichmäßiges Granulat
  1. Sammlung und Erfassung der Fraktionen
  2. Sortierung mit Nahinfrarottechnik
  3. Zerkleinerung zu Mahlgut
  4. Waschen und Trennen
  5. Granulierung zu Regranulat
SchrittZielTypische Aggregate
SammlungFraktionen trennenContainer, Pressen, Wechselbrücken
SortierungStörstoffe entfernenNIR-Sorter, Windsichter, Magnetscheider
ZerkleinerungMahlgut erzeugenEinwellen-Schredder, Schneidmühle, Siebe
WaschenAnhaftungen lösenWaschtrommel, Schwimm-Sink-Becken, Zentrifuge
Granulierunggleichmäßiges GranulatDoppelschneckenextruder, Schmelzefilter, Unterwassergranulator

Schritt 1 und 2: Sammlung und Sortierung

Die Sammlung entscheidet über die Ausbeute. Pressen verdichten Folien, getrennte Behälter verhindern, dass Hohlkörper und Kanister ungetrennt in die Anlage laufen. Wie sich die Verwertung von Verpackungen entwickelt, zeigen die Daten zu Verpackungsabfällen des Umweltbundesamtes.

Im Sortierwerk arbeitet die Nahinfrarotsortierung. Ein NIR-Sorter bestrahlt das Material mit Licht im Bereich von 1000 bis 2500 Nanometern und liest das reflektierte Spektrum. Aus dem Muster erkennt die Steuerung Polymerart und Additive und steuert Druckluftventile an.

Vor und nach den NIR-Stufen laufen Windsichter, Magnetscheider und Siebtrommeln. Jede zusätzliche Sortierstufe hebt die Reinheit und senkt den Durchsatz, deshalb lohnt sich die Abstimmung auf das eigene Abfallgemisch.

Schritt 3 und 4: Zerkleinerung und Waschen

Zerkleinert wird in zwei Stufen. Der Einwellen-Schredder übernimmt die Vorzerkleinerung, die Schneidmühle erzeugt mit Sieben von meist 8 bis 12 Millimetern Lochweite das Mahlgut. Feinanteile und Staub werden abgesaugt.

Gewaschen wird mit Wasser und Tensiden bei Temperaturen bis etwa 80 Grad Celsius. Die Schwimm-Sink-Trennung nutzt die Dichte: Polyethylen und Polypropylen schwimmen auf, PET sinkt ab. Zentrifugen und Warmluft trocknen das Material danach.

Das Ergebnis ist eine saubere Fraktion, die als Sekundärrohstoff gilt. Wie Erfassung und Aufbereitung zusammenspielen, ordnet das Umweltbundesamt in seiner Übersicht zur Sekundärrohstoffwirtschaft ein.

Schritt 5: Granulierung zum Regranulat

Im gleichläufigen Doppelschneckenextruder wird das Mahlgut aufgeschmolzen, entgast und durch einen Schmelzefilter gedrückt. Die Temperatur liegt je nach Polymer typischerweise zwischen 200 und 280 Grad Celsius.

Am Ende steht ein Unterwassergranulator, der Stränge zu Granulat mit rund drei Millimetern Korngröße schneidet. Additive, Stabilisatoren oder Farbmasterbatches lassen sich in der Schmelze zudosieren; das Ergebnis ist ein Regranulat mit eingestellter Eigenschaft.

Für Lebensmittelkontakt gilt die EU-Verordnung 2022/1616 über recycelte Kunststoffe. Sie verlangt ein zugelassenes Recyclingverfahren und die Rückverfolgbarkeit des Einsatzmaterials.

Anlagen und Technik im Detail

Die Nahinfrarotsortierung ist das Herz der Sortierung. Moderne Sortierlinien arbeiten mit mehreren NIR-Stationen, verkürzter Sortierbreite und hoher Auflösung, damit auch schwarze oder beschichtete Kunststoffe erkannt werden.

Zur Ausrüstung gehören weiter Schneidmühlen mit Siebwechsel, Reibwaschanlagen, Zentrifugen, Schwimm-Sink-Becken und Extruder mit Vakuumentgasung. Eine Metallabscheidung vor dem Extruder schützt Schnecken und Düsen.

Qualität wird im Labor geprüft: Schmelze-Massenfließrate, Dichte, Restfeuchte, Zugfestigkeit und der Anteil an Fremdpolymeren. Prüfberichte eines akkreditierten Labors sind die Grundlage für Abnehmerfreigaben.

Beispielrechnung: Ausbeute je Tonne Mischkunststoff

Die folgende Rechnung ist ein Beispiel, keine Messung aus einem konkreten Betrieb.

Ausbeute je Tonne Mischkunststoff

  • 1.000kg MischkunststoffEinsatz
  • 250kg Störstoffe und AusschussSortierung
  • 60kg VerlustWaschen und Trocknung
  • 30kg VerlustGranulierung
  • 660kgRegranulat

Häufige Fragen

Welche Kunststoffe lassen sich gut recyceln?

Sortenreine Produktionsabfälle aus PET, PE, PP und PS laufen am zuverlässigsten durch die Kette. Mischkunststoffe mit Klebstoffen, Verbunden oder Verbundfolien erfordern mehr Sortier- und Waschaufwand.

Warum ist die Nahinfrarotsortierung so verbreitet?

NIR-Sorter arbeiten berührungslos, schnell und ohne Nassverfahren. Sie trennen nach Polymerart und lassen sich in vorhandene Linien einbauen.

Wann lohnt sich eine eigene Aufbereitung?

Wenn jährlich konstante Mengen einer Fraktion anfallen und die Qualitätsanforderungen der Abnehmer bekannt sind. Bei kleinen, wechselnden Mengen ist die Vergabe an einen Aufbereiter wirtschaftlicher.

Welche Nachweise verlangen Abnehmer?

Prüfberichte zu Schmelze-Massenfließrate, Dichte und Restfeuchte, dazu Angaben zum Recyclinganteil. Für Getränkeflaschen kommt die Nachweispflicht nach EU-Recht hinzu.

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